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VITA ANTIQUA Library                                                           ISBN 966-95597-1-5

One hundred years of Chernyakhov culture. Collection of scientific articles. K., 1999

(DE)

Die handgemachte Keramik aus dem Gräberfeld des 3. - 4. Jhs. n. Chr. in Druznoe auf der Krim, 322-371

Vladimir VLASOV

Im Keramikm&terial von Drurime überwiegen deutlich handgemachte Tongefässe. Sie machen 75 % (432 Gefässe) des ganzen keramischen Material aus. Unter d' r scheibenged e ten Keranvk beträgt der Anteil von rorglasie-’er Keramik 23,25 %, von Amphoren 1,25 % und von grauer Keramik des Cernpchov Typus 0 5%. Die Untersuchung der handgemachten Keramik wurde aufgrund der typologischen Gliederung, im Hinblick auf morphologische Merkmale durchgefiihrt. Die handgemachten Keramikformen sind folgendermassen vertreten: Schüssel -13 Typen, insgesamt 137 Exemplare; Teller - ein Typ, 2 Exemplare; kleine Teller -.? Typen 6 Exemplare; Untertassen - ein Typ, 2 Exemplare; Salzschüsselchen - 2 Typen, 4 Exemplare, Fussschalen - ein Typ, 1 Exemplar; Töpfe 16 Typen , 77 Exemplare; Krüge - 11 Typen, 94 Exemplare, Schalen - 12 Typen, 88 Exemplare, Becher - 7 Typen, 11 Exemplare; Tassen - 6 Typen, 10 Exemplare.

Zahlreiche Gefässe sind mit Rdiefomament, seltener mit Dellendekoration verziert. Viele Gefässhenkel sind am Ende mit Relieffortsätzen, manchmal auch mit plastischen Vögel- und Tierdarstellungen versehen

Aus dem Vergleich des handgemachten Keramikmaterials aus Dru/noe mit anderen Gräberfeldern der nördlichen Schwarzmeerküste, der Krim und den benachbarten Gebieten ergibt sich, dass ich im Keramikkomplex aus Drufeme einige Gefässformen verschiedener Herkunft unterscheiden lassen. An der ersten Stelle sind zwei quantitativ gleiche Gruppen der handgemachten Keramik des neutralen ethnischen Charaters zu nennen Es handelt sich hier um weit verbreitete Formen, deren erste Gruppe die bronzezeitlichen und spätskythischen Traditionen aufweist, während die zweite in einigen Gräberfeldern der Krim des 3 - 4 Jhs. vertreten ist (90 Gefässe - 20,8 %). Die zweite Stelle nimmt die handgemachte Keramik nordkaukasischer Herkunft (49 Gefässe - 11,3 %) ein, die dritte - die Keramik, die im europäischen Teil des Bosporanischen Reiches hergestellt wurde (37 Gefässe - 8,6 %). Obwohl die spätskythische archäologische Kultur im 3. - 4. Jh. nicht mehr existierte, setzten sich die für sie charakteristischen handgemachten Keramikformen fort (28 Gefässe - 6,52 %) So machen die spätskythischen Formen 3,5 % (15 Gefässe) des gesamten Keramikmaterials aus, während die Gefässe, die bei den Skythen am Ende des 4. und im 5. Jh. v. Chr. auftauchten, nur in 7 Exemplaren (1,62 %) vertreten sind. Noch seltener kommen die Formen vor, deren Herstellungsart von den Spätskythen aus dem mittleren Dneprgebiet auf die Krim mitgebracht wurde (6 Gefässe - 1,4 %). Nur vier Gefässe (0,93 %) lassen sich aus dem Flussgebiet des Boh herleiten. Enge Verbindungen mit dem unteren Dongebiet und Kuban, d.h. mit ethnisch gemischter, im Grunde genommen vorwiegend meotischer Bevölkerung, weisen 25 Gefässe auf (5,8 %). Etwas schwächer ist die sarmatische Keramik repräsentiert (20 Gefässe - 4,65 %). Unter den Keramikformen befinden sich auch diejeniegen, die ihre Entsprechungen in den Przeworsk-, Wielbark- und Cernjachov-Kultur finden (13 Gefässe - 3%). Die Population, die in Druznoe ihre Toten beisetzte, konnte ziemlich genau die antike rotglasierte Keramik nachahmen (14 Gefässe - 3,25 %). Relativ zahlreich sind Formen mit Merkmalen von verschiedenen, oben genannten Gruppen (48 Gefässe - 11,1 %). Schliesslich gibt es auch Formen der unbestimmten Flerkunft (14 Gefässe - 3,25 %).

Die handgemachte Keramik aus DruZnoe ist demnach ethnisch unterschiedlich. Die ausgesonderten Formengruppen lassen feststellen, dass in der polyethnischen Population, die das Gräberfeld belegte, die Alanen die grösste Rolle spielten. Mit ihnen lebten die Sarmaten, Spätskythen, Bosporaner, Meoten und Germanen. Eine ähnliche Zusammensetzung der Keramikformen kommt auch in den anderen Krimer Gräberfeldern vor, die zeitlich und im Hinblick auf die materielle Kultur der Nekropole in Druznoe nahestehen. Es handelt sich hier um die Gräberfelder in Nejzac, Pereval’noe, Ozemoe Ш, Suvorovo, Manguä, Cemaja reika, Inkerman und Sovchoz 10. Die grösste Formenvielfalt vertritt die Keramik aus Nejzac (unpublizierte Ausgrabungen von I. Chrapunov). Es ist zu vermuten, dass ähnliche Mischpopulationen auch die anderen Regionen der zentralen und südwestlichen Krim bewohnten. Die Analyse der handgemachten Keramik hat ermöglicht, die ethnische Zusammensetzung der Population von Druznoe im 3. - 4 Jh. zu rekonstruieren. Um den Entstehungsprozess dieser Gruppe, besonders in der frühen Phase, zu verfolgen, ist es jedoch nötig, auch die anderen Grabbeigaben und den Bestattungsritus zu untersuchen.

Infolge von langwierigen Kriegen verloren die Spätskythen seine Unabhängigkeit und wurden am Ende des ersten Jahrzehntes des 3. Jhs. vermutlich ins Bosporanische Reich einverleibt. Es ist möglich, dass während dieser skythisch-bosporanischen Kriege, auf die Krim neue Gruppen von Barbaren kamen, welche die birituellen Nekropolen in Bel’bek 1, Skalistoe III, Tankovoe, Sovchoz 10, Cemaja reöka und das Brandgräberfeld in Aj-Todor (Grab 34) hinterliessen. Der Beigaben- und Bestattungssitte nach handelt es sich hier um die Sarmaten und Germanen, die häufig in einer Gemeinschaft lebten.

Aller Wahrscheinlichkeit nach, wurden die Gräberfelder mit nur Skelettbestattungen, wie Ozemoe III, Pereval’noe, Nejzac, Suvorovo und Druznoe, von den Sarmaten angelegt. Die frühesten Grabkomplexe in diesen Nekropolen datieren ins zweite Viertel des 3. Jhs. Ihre charakteristischen Züge sind Nischengräber, seltener einfache Erdbestatttungen, in denen die handgemachte Keramik völlig fehlt. Aufgrund der Steinkonstruktion in der Eingangsgrube des Grabes 67 in Druznoe, kommt noch der spätskythische Anteil in Frage.

Ab zweiter Hälfte des 3. Jhs. kamen auf die Krim zahlreiche Gruppen der Alanen, die früher in Nordkaukasus lebten. Ihnen schlossen sich die Sarmaten von den Ostgebieten der nördlichen Schwarzmeerküste, die mit dem Leben von in den 40-er Jahren des 3. Jhs. zerstörten Siedlungen davongekommenen Meoten und ein Teil von Bosporanem an. Sie siedelten sich in denselben Orten an, wo früher die Sarmaten lebten, deren Hinterlassenschaft der frühe Horizont in Druznoe, Nejzac, Pereval’noe, Ozemoe III und Suvorovo ist. Vermutlich gleichzeitig mit den Immigranten, vor allem den Alanen, oder aber etwas später, kamen vom Norden her die sarmatischen und germanischen Stämme. Mit den Alanen vereint, bereiteten sie den Spätskythen das Ende. Irgendwelche spätskythische Gruppen wanderten ins Borporanische Reich aus, die anderen kamen nach Chersones; diejenigen, die auf der Halbinsel geblieben sind, haben sich an die neue Situation adaptiert und bewohnten vor allem den zentralen und südwestlichen Teil der Krim.

Nach allen diesen Ereignissen erfolgte im barbarischen Milieu ein intensiver Prozess, der zur Entstehung einer synkretischen Kultur führte. Das Mischvolk wurde von spätantiken und frühmittelalterlichen Autoren «Skythen», «Skythotauren», «Goten», «Alanen» und «Gotalanen» genannt.

Am Ende des 4. Jhs. verliess die Bevölkerung der zentralen Krim ihre Sitze, wahrscheinlich vor der Gefähr des Hunnenangriff in sichere Regionen der Hauptkette des Krimgebirges flüchtend. Die Nekropolen Druinoe, Nejzac und Pereval’noe hörten auf. Im Gebirge wurden neue Gräberfelder in Skalistoe und Lucistoe angelegt, mit derselben hangemachten Keramik und Bestattungssitte. Aus der polyethnischen barbarischen Bevölkerung als Hauptbasis entstand die mittelalterliche Krim-Population.

Language: Russian

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Cite as:

Vlasov, V. 1999. Lepnaya keramika iz nekropolya III-IV vv. n.e. Druzhnoe v Krymu (Die handgemachte Keramik aus dem Gräberfeld des 3. - 4. Jhs. n. Chr. in Druznoe auf der Krim). In: Levada, M.E. (ed.). Sto let chernyahovskoy kulture (One hundred years of Chernyakhov culture). Collection of scientific articles. K.: VITA ANTIQUA Library, 322-371 (in Russian).

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One hundred years of Chernyakhov culture. Collection of scientific articles. K., 1999

(DE)

Koch- und Tischkeramik der spätskythischen Burgwälle im unteren Dnjeprgebiet, 298-321

Nadeshda GAVRILJUK, Valentina KRAPIVINA

Mit Hilfe der Untersuchungen über die spätskythische Keramik wird es möglich, das Problem der ethnischen Zusammensetzung und der sozial-politischen Entwicklung der «Kleinskythien» am unteren Dnjepr zu lösen.

In der handgemachten Keramik überwiegen schwachprofilierte Töpfe, wahrend weitmündige und mit im Querschnitt bogenförmigem Hals seltener Vorkommen. Die Töpfe von zwei letztgenannten Typen sind an der Nordschwarzmeerküste von der Spätbronzezeit bis in die Mitte der älteren Eisenzeit weit verbreitet. Das Auftreten im unteren Dnjeprgebiet der Kruge, konischen Fussschalen und einigen anderen Typen lässt sich durch den hellenistischen Einfluss erklären. Im allgemeinen, unterscheidet sich der keramische Komplex der «spätskythischen» Kultur am unteren Dnjepr von der früheren «skythischen» durch die starke Hellenisierung. Die handgemachte Keramik wurde als Kochgeschirr verwendet, deshalb ist der Anteil von scheibengedrehten Gefässen in den Burgwällen am unteren Dnjepr, im Gegensatz zu Olbia, wesentlich kleiner. Graue, verzierte und rotglasierte Gefässe hatten dort die Funktion des Tischgeschirres. Bemerkenswert ist, dass am unteren Dnjepr die Tonlampen vollkommen fehlen, im Gegensatz zu den antiken Städten. Die scheibengedrehte Keramik aus den Burgwällen am unteren Dnjepr findet ihre Entsprechungen vor allem in Olbia, was bedeutet, dass diese Stadt der Hauptlieferant für die Bevölkerung der spätskythischen Burgwälle war.

Das ganze Keramikmaterial der spätskythischen Burgwälle des unteren Dnjeprgebietes wird nicht später als ins 3. Jh., vdr allem ins l.Jh. bis zur ersten Hälfte des 3. Jhs. n. Chr. datiert. Früher wurde diese Keramik ins 3. - 4. Jh. n. Chr. eingesetzt. Die Entstehung der spätskythischen Burgwälle fällt in die Zeit, als das Leben in Olbia in der zweiten Hälfte des 3. bis zur Mitte des 2. Jhs. v. Chr. aufhörte. Dies mag bedeuten, dass ein Teil der Population von Olbia in der Einrichtung der Burgwälle teilnahm. Nach der Zerstörung der Stadt Olbia von den Geten um die Mitte des 1. Jhs. v. Chr. versteckte sich wahrscheinlich ein Teil der Stadteinwohner unter der Bevölkerung des unteren Dnjeprgebietes, wo sie einen hellenistischen Einfluss übte. Diesen Prozess belegt der keramische Komplex aus den Burgwällen am unteren Dnjepr.

Ab der zweiten Hälfte des 2. Jhs. n. Chr. lässt sich der Niedergang der Burgwälle am unteren Dnjepr beobachten und am Ende des 2. Jhs. n. Chr. wurden sie verlassen. Wenige Ausnahmen sind Burgwälle in Krasnyj Majak, Ljubimovskoe und Velikolepetichskoe. In derselben Zeit, erlebt Olbia und die Nachbarstädte eine Blütezeit (2. Hälfte des 2.-1. Hälfte des 3. Jhs. n. Chr.), was mit der Dislozierung der römischen Truppen zu verbunden ist. Es ist möglich, dass ein Teil der Population aus dem unteren Dnjeprgebiet an den südlichen Bug auswanderte. Das definitive Aufhören der Burgwälle des unteren Dnjeprgebietes erfolgt in der Zeit des Goteneinfalls, d.h. vermutlich in der zweiten Hälfte des 3. Jhs..

Language: Russian

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Cite as:

Gavriljuk, N, Krapivina, V. 1999. Kuhonnaya i stolovaya keramika pozdneskifskih gorodishch Nizhnego Podneprov'ya (Koch- und Tischkeramik der spätskythischen Burgwälle im unteren Dnjeprgebiet). In: Levada, M.E. (ed.). Sto let chernyahovskoy kulture (One hundred years of Chernyakhov culture). Collection of scientific articles. K.: VITA ANTIQUA Library, 298-321 (in Russian).

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One hundred years of Chernyakhov culture. Collection of scientific articles. K., 1999

(DE)

Die Goten im Kimmerischen Bosporus, 277-297

Michel KAZANSKI

Im vorliegendem Beitrag wird eine Gruppe der germanischen Funde auf der Ostkrim und auf Taman besprochen,die direkte Verbindungen mit den Goten aufweisen. Die Anwesenheit der Germanen im Bosporanischen Reich belegen nur einzelne Funde aus den Schichten und Nekropolen der lokalen Bevölkerung Die Funde des Cemjachov-Typus in Bosporus datieren in die Stufen C3 - Dl (300/320-400/410) und sollen mit den Goten identifiziert werden, die in Bosporus um 400 von Iohannes Chrysostomos erwähnt worden sind. Am Ende des 4. und in der ersten Hälfte des 5. Jhs. (Stufe D2 - 380/400-440/450) treten in Bosporus germanische Gegenstände auf, die für das mittlere Donaugebiet, u.z. für den „fürstlichen” Untersiebenbrunn-Horizont charakteristisch sind. Es ist interessant, dass am Ende der Stufe C3 und in der Stufe Dl diese Gegenstände in die Gräber der bosporanischen sozialen Oberschicht gelangten, die eine griechisch-sarmatische Bestattungstradition pflegte. Die germanischen Funde sprechen dafür, dass die Germanen in den regierenden Kreis des Bosporus eingeschlossen winden. Es wurden auch Familienverbindungen geschlossen, da es sich hier um Familiengräber handelt. Möglicherweise sind diese Funde ein materielles Zeugnis der Notiz des Iohannes Chrysostomos (404) über einem gotischen König in Bosporus.

Auf der Ostkrim blieben die Goten auch in der Hunnenzeit und spielten sicher eine wichtige kriegerisch-politische Rolle in der Völkerwanderungszeit in Bosporus. In der Tat, in den 50-er Jahren des 5. Jhs. waren hier die Goten-Tetraxiten eine einzige wirkliche Kraft, die imstande war, die Hunnen an der Übergängen auf Kertsch und bei ihren Übersiedlungen von der Donau in den Nordkaukasus nach der Niederlage am Nedao zu verhindern. Wie bekannt, der Konflikt endete mit dem Frieden und die Goten gingen mit den Hunnen zusammen an die asiatische Seite des Bosporus. Damit war die Geschichte der bosporanischen Goten beendet.

Die letzte Etappe ihrer Geschichte spiegelt sich in den donauländischen Funden wider, die in der Stufe D3 (450-480/490) in Bosporus auftreten, wahrend die schriftlichen Quellen über die Goten in Bosporus nach 450-460 schweigen. Zahlreiche germanische Funde der zweiten Hälfte des 5. und des 6. Jhs., vor allem Knopffibeln und grosse Gürtelschnallen, sind in der balkanischen und der donau-italischen Tradition hergestellt. Ihr Vorkommen in Bosporus steht vielmehr mit den Dislozierungen der byzantinischen Truppen, in welchen die Barbaren dienten, in Zusammenhang, nicht aber mit der Anwesenheit der Goten-Tetraxiten.

Language: Russian

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Kazanski, M. 1999. Goty na Bospore Kimmerijskom (Die Goten im Kimmerischen Bosporus). In: Levada, M.E. (ed.). Sto let chernyahovskoy kulture (One hundred years of Chernyakhov culture). Collection of scientific articles. K.: VITA ANTIQUA Library, 277-297 (in Russian).

VITA ANTIQUA Library                                                                               ISBN 966-95597-1-5

One hundred years of Chernyakhov culture. Collection of scientific articles. K., 1999

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Schmiedeerzeugnisse aus dem Gräberfeld in Catyrdag - ein Versuch der typologischen Analyse und der Herstellungstechnik, 252-276

Galina VOZNESENSKAJA, Maxim LEVADA

Im Gräberfeld Catyrdag (Krim) aus dem 3. - 4. Jhs. wurden 16 Schmiedeerzeugnisse entdeckt. Nach der Meinung vieler Forscher wurde die Nekropole von der gemischten Population belegt, von der ein Teil germanischer Herkunft war.

Die Schmiedegeräte wurden typologisch und im Hinblick auf metallographische Uuntersuchungen analysiert. Es wurden folgende Gegenstände untersucht: ein Schwert, ein Dolch, sechs Lanzenspitzen, eine Axt, eine Axt bzw. Hacke, drei Sicheln und drei Messer.

Die technologischen Aspekte der Schmiedeerzeugnisse sind vor allem Rohstoff und technologische Merkmale. Als Rohstoff wurden Luppeneisen, Luppenstahl und Pakettmetall verwendet. Die Technologie der Gegenstände aus Catyrdag ist einfacher; da es per Hand aus dem einheitlichen Material geschmiedet wurde. Die heisse Lötung des einheitlichen Metalls wurde bei der Vorbereitung einer Metallzusammensetzung verwendet. Eine bessere technologische Methode beschränkte sich auf die Zementation der Oberfläche und wurde bei der Axt aus Grab 28 beobachtet. Bei keinem Gegenstand wurde die termische Bearbeitung festgestellt.

Die Untersuchungsergebnisse erlauben nicht, über nur eine Methode zu sprechen. Ebensowenig wurde ein bestimmter Rohstoff und bestimmte techmologische Methoden bei der Produktion von Gegensständen eines Typs festgestellt. Zweifellos spiegeln die charakteristischen Merkmale, wie das weiche und saubere Luppeneisen, der ungleichmässige Luppenstahl sowie das Pakettmaterial die lokalen Herstellungstraditionen wider.

Die Vergleichsanalyse der technologischen Merkmale der Schmiedeproduktion von Catyrdag und denjenigen der barbarischen kaiserzeitlichen Kulturen Mittel- und Südosteuropas hat ergeben, dass es zahlreiche gemeinsame Züge gibt, vor allem die hohe Qualität der einzelnen Produktionsvorgänge, die beschränkte Anzahl von technischen Methoden, die zur besseren Qualität von Erzeugnissen führte.

Das allgemeine technische Niveau von Gegenständen aus Catyrdag und der mittel- und osteuropäischen Erzeugnisse ist vergleichbar. Dies äussert sich besonders in der Art der Rohstoffsbearbeitung und in den technologischen Methoden. Die Schmiedeproduktion der Population von Catyrdag entwickelte sich im Bereich der einheitlichen technischen Traditionen.

Im Hinblick auf technologische Merkmale, weisen die Waffen aus Catyrdag eine Mischung der verschiedenen, weit voneinander entfernten Komponenten auf. Das Schwert ist zweifellos mitteleuropäischer Herkunft, während der Dolch aus dem Kaukasus stammt und ist mit der Einwanderung der Alanen auf die Krim zu verbinden. Am meisten differenziert sind die Lanzenspitzen. Obwohl die Verbreitung vieler Typen sehr weit ist, lässt sich eine Hauptrichtung festzustellen, d. h. Mittel- und, im geringerem Ausmass, Nordeuropa. Das pillum und die Axt/Hacke sind charakteristisch für die römischen auxilia, die aus Foederatenstämmen und Rekruten aus der Gegend von römischen Gamizonen bestanden. Auch Sicheln weisen die römische Tradition auf.

Die Eisengegenstände aus Catyrdag gehören demnach verschiedenen Regionen und Kulturen an, wobei im Hinblick auf Technologie und Typologie die mitteleuropäische Tradition dominiert. Die absichtliche Beschädigung der Metallbeigaben und der Brandritus als einzige Bestattungsart in Catyrdag machen die mitteleuropäische (vom Bereich der Przeworsk-Kultur?) Herkunft der Bevölkerungsgruppe aus dem Gräberfeld noch wahrscheinlicher. Es gibt trotzdem auch Unterschiede; in Catyrdag wurden nicht alle Beigaben verbrannt, Lanzenspitzen wurden nicht gebogen, Schwerter sind selten und Sicheln, was nicht typisch für die Przeworsk-Kultur ist, treten in Waffengräbem auf. Wahrscheinlich, nach der Meinung von M. Kazanski, wäre der Bestattungsritus vom Przeworsk-Typ vielmehr relativ und es ginge um die Einflüsse aus Norwegen. Die Frage, wer die Krimgoten tatsächlich waren, verlangt eine spezielle Studie über alle germanischen Komponenten auf der Krim..

Language: Russian

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Cite as:

Voznesenskaja, G., Levada, M. 1999. Kuznechnye izdeliya iz mogil'nika Chatyrdag: popytka tipologicheskogo analiza i tekhnologiya proizvodstva (Schmiedeerzeugnisse aus dem Gräberfeld in Catyrdag - ein Versuch der typologischen Analyse und der Herstellungstechnik). In: Levada, M.E. (ed.). Sto let chernyahovskoy kulture (One hundred years of Chernyakhov culture). Collection of scientific articles. K.: VITA ANTIQUA Library, 252-276 (in Russian).

VITA ANTIQUA Library                                                           ISBN 966-95597-1-5

One hundred years of Chernyakhov culture. Collection of scientific articles. K., 1999

(DE)

Über das Datum der germanischen Einwanderung auf die Krim, 242-251

Aleksander AJBABIN

Die Migrationen der Germanen am Ende der ersten Hälfte des 3. Jhs. haben wesentlich die ethnopolitische Lage auf der Halbinsel Krim verändert. In den 40-en Jahren des 3. Jhs. verliessen die römischen Gamizonen die südwestliche Krim und vermutlich auch Bosporus, um die Donaugrenze zu stärken.

Von dieser neuen Situation profilierten die Germanen. Zonaras berichtet über die germanischen Truppen, die unter Trebonianus Gallus und Volusianus (252-253) während der Trockenzeit Bosporus erreichten und die Maeotis überquerten, wonach sie Chora von irgenwelchen Städten zerstörten. Nach Zosimos gelangten die Boraner bei Valerianus (253-259) mit Hilfe der Bosporaner nach Asien, wahrscheinlich vom Westen, aus der Krimsteppe. Georgios Taumaturgos nannte sie Goten und Boraner. Es ist möglich, dass, bevor sie im Jahre 256 Bosporus erreichten, vier Jahre früher von der nordwestlichen Krim in den verlassenen von den römischen Truppen südwestlichen Teil der Halbinsel kamen.

Mit den schriftlichen Quellen über das Eindringen von Germanen um die Mitte des 3. Jhs. auf die Krim lässt sich der Belegungsanfang der neuen Gräberfelder in Catyr-Dag, Aj-Todor, Partenit und Cemaja recka synchronisieren. In den frühen Grabkomplexen (Catyr-Dag, Grab 8, d'emaja Recka, Grab 16 und 24, Charax, Grab 37) tritt die Keramik auf, die im Prinzip bis zur Mitte des 3. Jhs. hergestellt wurde, jedoch in manchen Fällen noch im dritten Viertel des 3. Jhs. in Gebrauch blieb. Diese Keramik lässt das Gründungsdatum der genannten Nekropolen mit den Berichten des Zonaras und Zosimos über die kriegerische Aktivität der Germanen auf der Krim in den Jahren 252 und 256 in Zusammenhang bringen.

In diesen Nekropolen kommen Brandgräber vor, die auf die Germanen hindeuten, welche von Georgios Taumaturgos, Zosimos und der Bericht über das Martyrium des heiligen Afenogenos aus Pedachtoi Goten und Boraner genannt wurden. Die Goten aus der Südküste der Krim wurden dagegen nach dem noch von Strabo erwähnten Berg Stolovaja Gora bei Aluschta Tpcmc^onq-Trapezus-Catyr-Dag Trapeziten genannt.

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Ajbabin, A. 1999. O date vtorzheniya germantsev v Kryim (Über das Datum der germanischen Einwanderung auf die Krim). In: Levada, M.E. (ed.). Sto let chernyahovskoy kulture (One hundred years of Chernyakhov culture). Collection of scientific articles. K.: VITA ANTIQUA Library, 242-251 (in Russian).

VITA ANTIQUA Library                                                                               ISBN 966-95597-1-5

One hundred years of Chernyakhov culture. Collection of scientific articles. K., 1999

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Die Cemjachov-Kultur und die Krim, 231-241

Igor PIORO

In den biritueilen Nekropolen der Krim wurden Urnen- und Brandgrubengräber entdeckt, die von der Mitte des 3. Bis zur Mitte des 5. Jhs. datiert sind. Es handelt sich hier um die Gräberfelder Sovchoz Sevastopolskij, Cemoreöe, Belbek I u. a. in der Oblast Chersones und Aj- Todor, Öatyrdag u.a. an der Südküste der Halbinsel. Diese Brandgräber in Steinkisten, mit Steinseztungen und Steinpflastern auf dem Boden erinnern an die kaiserzeitlichen Bestattungen Skandinaviens. Solche Steinkonstruktionen kommen in den Cernjachov-Nekropolen nur selten vor. Ausserdem, lassen sich in den Gräbern des Cemjachov-Typus auf der Krim allgemeine Merkmale des Brandritus beobachten, in denen sich die Traditionen der Preworsk- und Wielbark-Kulturen sowie die geto-dakischen widerspiegeln. Es sind hier sekundär verbrannte Urnen, Urnen mit Haufenresten, kalzinierte Knochen mit Haufenresten und verbrannten Beigaben, rituell zerstörte Gegenstände, Urnen mit Deckeln bzw. unter einem grossen Gefäss, einem Stein oder einem anderen Gegenstand, auf dem Boden stehende Urnen, zahlreiche Beigefässe, Opfergruben u. a. zu nennen. In den Nekropolen vom unteren Donau- bis zum Dongebiet und auf der Krim treten die Beigaben vom Cemjachov-Typus auf, wie Keramik, Fibeln, Kämme, Anhänger usw. Sie deuten auf die Migrationsrichtung einer neuen Bevölkerung auf die Krim hin.

Die Verbreitung der Gräberfelder und Einzelfimde des Cemjachov-Typus auf der Krim im Vergleich mit den schriftlichen Quellen, die die Goten in der Gebirgszone der Taurida erwähnen und der Tatsache, dass hier die germanische Sprache bis zum 15. Jh. existierte, unterstützt die These, dass die Cemjachov-Kultur dem gotischen Stammesbund zuzuschreiben ist.

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Pioro, I. 1999. Chernyahovskaya kultura i Kryim (Die Cemjachov-Kultur und die Krim). In: Levada, M.E. (ed.). Sto let chernyahovskoy kulture (One hundred years of Chernyakhov culture). Collection of scientific articles. K.: VITA ANTIQUA Library, 231-241 (in Russian).

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One hundred years of Chernyakhov culture. Collection of scientific articles. K., 1999

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Die Tracht der Barbaren des 5. Jhs. nach den Funden aus dem Gräberfeld LuCistoe auf der Krim, 203-230

Elzara CHAJREDINOVA

An der Wende des 4./5. Jhs. verliessen die von den Hunnen gefährdeten Alanen ihre Gräberfelder in Druznoe, Perevalnoe und Nejzac, die im Vorgebirge lagen. Ihre neuen Nekropolen wurden an den Bergabhängen der mittleren Gebirgskette an der Bakla, in Skalistoe und Luäistoe, gegründet. Bisher sind die Gräberfelder die Hauptquelle für die Kenntnis der Barbaren der südwestlichen Krim während der Völkerwanderungszeit. Aus der Nekropole in Lucistoe verfugen wir über die zahlreichsten Grabkomplexe des 5. Jhs., u.a. mit mehreren Trachtbestanteilen wie Gürtelzubehör, Fibeln und Schmuck, die die Trachtrekonstruktion ermöglichen.

Die Männer aus Luäistoe, sowohl Krieger wie gewöhnliche Mitglieder der Gesellschaft, trugen auf dem Obergewand einen Gürtel mit Schnalle. An den Gürtel wurde auf der linken Seite ein Messer, auf der rechten - eine Tasche befestigt. Der Kriegergürtel war breiter und oft mit Riemenbeschlägen verziert. Das Schwert hing am Schwertgürtel an der linken Seite und wurde mit Schnallen und einem Ring versehen. Das Obergewand wurde manchmal mit einer Fibel auf der linken Brust verschlossen. Die Schuhe waren jeweils mit Riemen und Schnallen versehen, wobei die Männer, die keine Krieger waren, keine Schuhgamituren besassen. Die für das 5. Jh. charakteristischen männlichen Trachtbestandteile sind in weiten Gebieten bei der sesshaften Bevölkerung des Hunnenreiches verbreitet.

Einen ausgeprägten ethnischen Charakter hat die Frauentracht. Die Frauen trugen zwei Typen des Obergewandes. Der erste Typ, ohne Gürtel, wurde auf der Brust mit einer Fibel verschlossen, bei dem zweiten, mit Gürtel und Schnalle, fehlen Fibeln. Eine Fibel auf der Brust oder am Arm ist ein charakteristisches Merkmal der lokalen Tracht der Alanen. Eine reiche Alanin trug ausserdem ein Stirnband mit goldenen Apliken.

Im 5. Jh. übernahm die alanische Bevölkerung der südwestlichen Krim den Stil, der sich im Hunnenreich an der Donau entwickelte und dessen Bestabdteile Gürtelschnallen, Fibeln, Polyederohrringe und Armringe waren. Es wurden ebenfalls die Blechfibeln vom Donaugebiet übernommen, ihre Tragweise aber, d.h. zwei identische an den Schultern, wurde im alanischen Milieu anders. Im 5. Jh. kamen auch auf der südwestlichen Krim je zwei Fibeln auf der Brust vor, entweder unterschiedlich oder eines Typs, aber verschiedener Grösse. Die importierten Blechfibeln wurden nach der alten alanischen Mode getragen, d.h. eine auf der linken Brust. Diese zwei Trachtypen, mit zwei und mit einer Fibel, blieben in Gebrauch innerhalb einer ethnischen Einheit während des ganzen 5. Jhs..

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Chajredinova, E. 1999. Kostyum varvarov v veka po materialam mogilnika u sela Luchistoe v Kryimu (Die Tracht der Barbaren des 5. Jhs. nach den Funden aus dem Gräberfeld Luсistoe auf der Krim). In: Levada, M.E. (ed.). Sto let chernyahovskoy kulture (One hundred years of Chernyakhov culture). Collection of scientific articles. K.: VITA ANTIQUA Library, 203-230 (in Russian).

VITA ANTIQUA Library                                                                               ISBN 966-95597-1-5

One hundred years of Chernyakhov culture. Collection of scientific articles. K., 1999

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Über die Verbreitung der jungkaiserzeitlichen achtförmigen Bernsteinanhänger in Sudeuropa und in Kaukasus, 171-202

Anna MASTYKOVA

 Die achtförmigen Bernsteinanhänger im Fundmaterial der Cemjachov-Kultur werden mit Recht als ostgermanisches Merkmal interpretiert. Sie sind jedoch aus dem pontischen Gebiet und Kaukasus bekannt, wo es schwierig anzunehmen ist, es hätten hier die Träger der Wielbark- bzw. der Cemjachov-Kultur gelebt. Solche Funde stammen z. B. aus Dagestan am Kaspischen Meer und aus Abchasien. In der vorgelegten Studie wird es versucht, zu bestimmen, woher solche Anhänger ins Schwarzmeergebiet und nach Kaukasus gelangten.

Die achtförmigen Bernsteinanhänger kommen vor allem in den Stufen Clb- C2 (200-325), aber auch später vor, u. z. in der Stufe D (360/ 370-440/450). Sie sind in der Cemjachov-Kultur weit verbreitet, wohin sie aus dem Bereich der Wielbark-Kultur kamen. In Pommern sind sie aus den jungkaiserzeitlichen Gräberfeldern und aus der D^bczyno-Gruppe bekannt. In derselben Zeit erscheinen sie auch in der westbaltischen Kultur.

Ähnliche Bernsteinanhänger sind auch aus den skandinavischen Grabkomplexen bekannt, vor allen aus Jütland, Seeland, Fünen, Bomholm, wo sie bereits in der Stufe Clb (200-260/270) auftreten und in den Stufen C2 (260/270-300/320) und C3 (310/320-360/370) weiter in Gebrauch bleiben. Die Verbreitung der achtförmigen Bernsteinanhänger umfasst ebenfalls den Karpatenbecken, das Elbgebiet und Böhmen. In Mecklenburg, Schleswig, im Oder- und Elbgebiet sind sie für die jüngere römische Kaiserzeit charakteristisch. Als Beigabe erscheinen sie im Fürstengrab 8 in Hassleben, einem der wichtigsten Grabkomplex der Stufe C2, der mit der Münze 253-268 datiert ist. Es scheint, diese Anhänger gelangten von der Weichsel-Oder-Elbe-Zone in den westlichen Teil Germaniens, wo sie z. B. in Gundelsheim, im Fürstengrab eines dreijährigen Mädchens der Stufe C2 gefunden worden sind. In der reichen Doppelbestattung in Gerlachsheim kommen sie ebnfalls vor; es ist ein Grabkomplex der Stufe C3, was eine silberne Schildfibel und ein inkrustiertes Glasgeföss belegen. Im alamannischen Frauengrab von Schleitheim-Hebsack in der Schweiz befanden sich unter reichen Beigaben auch vier achtförmige Anhänger. Das Grab datiert ins Ende des 4. bzw. in den Anfang des 5. Jhs. Die genannten Funde deuten daraufhin, dass die achtförmigen Bernsteinanhänger von Personen vom gehobenen sozialen Status getragen wurden.

Die achtförmigen Bernsteinanhänger sind aus Nordgallien bekannt, u.z. in Frauenbestattungen mit mit germanischen Beigaben am Rhein. Sie kommen aber auch in den typischen provinzialrömischen Gräbern vor, die in keinem Zusammenhang mit den Germanen stehen, wie Niederzier, Breny, Köln, Dieu-sur-Meuse, Weiden). Allerdings, wird ihre Anwesenheit in diesen Grabkomplexen als Resultat der Kontakte mit der germanischen Welt, mit dem Elb-Oder-Weichselgebiet oder mit Dänemark interpretiert. Ein Fund ist ausserdem aus Südwestengland bekannt, u.z. aus dem spätrömischen Gräberfeld in Fordington Hill. In den Donauprovinzen wurden solche Anhänger in der spätrömischen Nekropole Mautem und in den pannonischen Gräberfeldern der postvalentinianischen Zeit (nach 360) entdeckt. Es sind schliesslich noch einige weitere Funde aus dem spätrömischen Friedhof in Callatis und aus der Westküste des Schwarzmeeres hinzufügen. Sie wurden sogar in Palästina, im Fundkomplex des 4. Jhs. notiert.

Es wäre vollkommen falsch, in allen diesen Funden die Spuren der Träger der Wielbark-Kultur zu sehen, obwohl die ostgermanische und südwestbaltische Herkunft der achtförmigen Bernsteinanhänger keinem Zweifel unterliegt. Es ist vielmehr zu vermuten, dass in den römischen Provinzen und im Barbaricum diese Anhänger im 4. Jh. ihre ethnische Zugehörigkeit verloren haben und sich von Britannien bis nach Palästina als Halsketten-, seltener Armringbestandteile verbreiteten.

Diese Bemerkung ist bei den Studien über die Verbreitung der achtfbrmigen Anhänger im pontisch-kaukasischen Raum von wesentlicher Bedeutung. Sie treten in einigen sarmatischen Nekropolen im Don- und Wolgagebiet auf. Ihre Anwesenheit am Don mag auf die alanisch- sarmatischen Kontakte zur Zeit der gotischen Völkergemeinschaft hinweisen. Die Funde vom Wolga-Gebiet sind jedoch als Ausdruck der direkten sarmatisch-germanischen Verbindungen nicht so eindeutig zu interpretieren.

Die achtfbrmigen Bernsteinanhänger sind aus den spätkaiserzeitlichen und völkerwanderungszeitlichen Nekropolen der Krim und des Taman bekannt und werden gewöhnlich für Spuren der Kontakte der Krimer Alanen mit den Germanen gehalten. Das Problem sieht aber nicht so einfach aus. Es sei zu erinnern, dass die auf der südwestlichen Krim gefundenen Halsketten mit achtfbrmigen Anhänger ihre Entsprechungen im Bereich der Cemjachov- und der Wielbark-Kultur finden. Die Halsketten mit ähnlichen wie auf der Krim gefundenen Bestandteilen kommen in Gallien und im freien Germanien vor. So ist es zu vermuten, dass die auf der Krim gefundenen Colliers mit achtfbrmigen Bernsteinanhängern nicht den direkten Einfluss der Ostgermanen, aber eine allgemeine Mode des 4. Jhs. widerspiegeln, in der diese Anhänger der ostgermanischen Herkunft einen festen Bestandteil bildeten.

Solche Anhänger sind ebenfalls in Süddagestan und in Tscherkessien zu finden, wo hochwahrscheinlich von den Ostgermanen übernommen wurden, un zwar aus dem Gebiet der Cemjachov-Kultur, vermutlich über die Alano-Sarmaten am Don, bei denen solche Schmuckstücke, wie erwähnt, in Gebrauch waren, ln der Tat, in Nordkaukasus haben wir mit einer kleinen Gruppe der Funde vom Cernjachov-Typ zu tun.

Identische Anhänger stammen auch Abchasien, wohin sie mit den germanischen Truppen im römischen Dienst kommen durften. Es sei zu erinnern, dass nach römischem Recht die Eheschliessungen zwischen Bürgern und Nichtbürgem des Imperiums verboten waren (im weströmischen Teil funktionierte dieses Verbot sogar nach dem Fall Westroms). Deshalb wurden die Frauen der barbarischen Söldner vom Barbaricum geholt, die ihren Schmuck mitbrachten.

Die achtfbrmigen Bernsteinanhänger, deren Herkunft an der Ostseeeküste zu suchen ist, haben sich in der Spätkaiserzeit bei den Barbaren sowohl in den römischen Provinzen und sogar bis zum Nahen Osten weit verbreitet. Aus diesem Grund wäre es unbegründet, solche Funde aus dem pontisch-kaukasischen Gebiet nur mit der Cemjachov-Kultur in Zusammenhang zu bringen. Wenn die achtfbrmigen Anhänger nach Nordkaukasus hochwahrscheinlich als Resultat der kaukasisch-sarmatisch-germanischen Kontakte kamen, so wäre eine solche Interpretation für die Funde aus Abchasien und der Krim sicher nicht die einzige Möglichkeit.

Language: Russian

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 Cite as:

Mastykova, A. 1999. O rasprostranenii yantarnykh gribovidnykh bus-podvesok pozdnerimskogo vremeni na yuge Vostochnoy Evropy i v Zakavkazye (Über die Verbreitung der jungkaiserzeitlichen achtförmigen Bernsteinanhänger in Sudeuropa und in Kaukasus). In: Levada, M.E. (ed.). Sto let chernyahovskoy kulture (One hundred years of Chernyakhov culture). Collection of scientific articles. K.: VITA ANTIQUA Library, 171-202 (in Russian).

VITA ANTIQUA Library                                                           ISBN 966-95597-1-5

One hundred years of Chernyakhov culture. Collection of scientific articles. K., 1999

(DE)

Perlen und Anhänger der frühen Phase der Cernjachov-Kultur (nach Grabfunden), 150-170

Oksana BOBROVSKAJA

 Es werden Zusammensetzungen von Perlen und Anhängern und deren Verbreitung in der frühen Phase der Cernjachov-Kultur untersucht. Der kurzen Forschungsgeschichte folgen die Gliederungskriterien der Perlen und Anhänger, ferner ihre Zusammensetzung und Verbreitung, schliesslich der Versuch, ihre Herkunft festzustellen.

Aufgrund der Beigabenvergesellschafungen mit den Leitfimden der frühen Phase der Cemjachov-Kultur (1. und 2. Stufe nach E. Gorochovskij) wurden die Zusammensetzungen von Perlen und Anhängern bestimmt, die entweder gut, wenig oder undatierbar sind. Die Leittypenliste der frühen Phase der Cemjachov-Kultur lässt sich mit purpuroten linsenfbrmigen und polyedrischen Glasperlen, doppelkonischen olivgrünen Spiralfadenperlen, mehrfarbigen mit Pflanzenmuster und grossen Bemsteinperlen ergänzen. Als diachronisch erweisen sich Grabkomplexe mit linsenfbrmigen und polyedrischen Perlen aus purpurrotem Glas. Die linsenfbrmigen Perlen sind mit den Fibeln der Serie A, die polyedrischen - mit den Fibeln der Serie В 1 nach E. Gorochovskij vergesellschaftet. Während der erstgenannte Perlentyp in Westpodolien vorkommt, sind die polyedrischen Perlen in weiten Gebieten verbreitet.

Unter den Perlen und Anhängern der frühen Phase der Cemjachov-Kultur lassen sich folgende Formen unterschieden: 1. Die Typen des sog. Gotenkreises; 2. Die allgemein in Europa verbreiteten Exemplare; 3. Die Typen der donauländischen Herkunft: 4.Diejenigen, die hochwahrscheinlich lokale Erzeugnisse der Cemjachov-Kultur waren.

Language: Russian

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Cite as:

Bobrovskaja, O. 1999. Busy i podveski rannego etapa chernyakhovskoy kultury (po materialam mogilnikov) (Perlen und Anhänger der frühen Phase der Cernjachov-Kultur (nach Grabfunden)). In: Levada, M.E. (ed.). Sto let chernyahovskoy kulture (One hundred years of Chernyakhov culture). Collection of scientific articles. K.: VITA ANTIQUA Library, 150-170 (in Russian).

VITA ANTIQUA Library                                                                               ISBN 966-95597-1-5

One hundred years of Chernyakhov culture. Collection of scientific articles. K., 1999

(DE)

Schmucksachen mit Emaileinlagen aus Voran’kiv im Kiev-Gebiet, 144-149

Evgenij GOROCHOVSKIJ, Anatolij KUBYSEV, Rostislav TERPILOVSKIJ

 Im Dorf Voron’kiv, am linken Ufer des Dneper, etwa gegenüber der Mündung des Flüsses Stugna, wurden im Jahre 1992 während Erdarbeiten ein Armring und eine Fibel aus Bronze gefunden. Der offene Armring hat leicht verdickte Enden, die Fibel ist ein Derivat der T-Fibeln mit Emaileinlagen und gehört den spätesten Erzeugnissen des Emailkreises mit gewissen degenerierten Merkmalen. Die nächsten Entsprechungen stammen aus Chmil’na und Kompanijcy im Dnepergebiet, Kvetun' an der Desna und Pravobere2noe Cimljanskoe GorodiäCe am unteren Don. Die Fibeln aus Kompanijcy und Kvetun' lassen sich ins 4. Jh. datieren, wahrscheinlich in die erste Hälfte dieses Jahrhunderts. Die Armringe, die an das Exemplar aus Voron’kiv erinnern, haben einen breiten chronologischen Rahmen, u.z. vom 1. bis 7. Jh.

Der Fundkomplex aus Voron’kiv ist demnach in die erste Hälfte des 4. Jhs. datiert, d. h. in die Zeit, als im mittleren Dnepergebiet die temjachov- und die Kiever Kulturen bestanden. Da die Gegenstände des Emailkreises vor allem fllr die Kiever Kultur charakteristisch sind (das Fibelpaar aus Kompanijcy ist ein einziger glaubwürdiger Fund in einem Gräberfeld der Cemjachov-Kultur) und der Fundkomplex keine Drehscheibenkeramik enthält, ist es zu vermuten, dass die neue Fundstelle der Kiever Kultur angehört.

Language: Russian

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 Cite as:

Gorochovskij, E., Kubysev, A., Terpilovskij, R. 1999. Ukrasheniya kruga vyyemchatykh emaley iz sela Voronkiv na Kiyevshchine (Schmucksachen mit Emaileinlagen aus Voran’kiv im Kiev-Gebiet). In: Levada, M.E. (ed.). Sto let chernyahovskoy kulture (One hundred years of Chernyakhov culture). Collection of scientific articles. K.: VITA ANTIQUA Library, 144-149 (in Russian).